aktuell 179.158 Weine und 25.409 Produzenten, davon 3.385 klassifizierte Produzenten.
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Das Weingut liegt in der Gemeinde Kiedrich im deutschen Anbaugebiet Rheingau und wurde im Jahre 1875 von Dr. Robert Weil (1843-1923) gegründet. Es gibt familäre Wurzeln in der berühmten Bernkasteler Winzerdynastie Prüm. Durch Kauf der zwei Weingüter Nilkens und Buschmann, der Villa des adeligen englischen Kunstmäzens Sir John Sutton (1820-1873), sowie Weinbergen aus dem Besitz des Grafen von Fürstenberg wurde der Besitz beträchtlich erweitert. Von 1920 bis 1959 führte sein Sohn Wilhelm Weil (1888-1971) das Weingut. Danach übernahm dessen Sohn Robert Weil (1931-1989) die Leitung, dem schließlich 1987 in vierter Generation Wilhelm Weil (*1963) folgte.

Die Anlage ist ein beeindruckendes Beispiel für die harmonische Verbindung historischer Baukunst mit zeitgenössischer Weinarchitektur. Der zentrale Teil des Gutshauses wurde im englischen Tudorstil erbaut, während die neugotischen Erweiterungen von 1875 und 1906 das markante Erscheinungsbild prägen. Unter der Leitung von Wilhelm Weil wurden die historischen Gebäude sorgfältig restauriert und durch moderne, größtenteils unterirdische Produktionsflächen ergänzt. Heute umfasst das Weingut über 1.000 Quadratmeter Präsentationsfläche und mehr als 6.000 Quadratmeter Produktionsfläche, die jährlich rund 700.000 Flaschen Riesling ermöglichen. Ein 2023 fertiggestelltes in den Boden gegrabenes Weinarchiv setzt die Maxime fort, dass jede Generation ihre Spuren hinterlassen soll.

Das Bild links zeigt den Eingang zum Weinarchiv, das Bild rechts zeigt die Vinothek des Weinguts. Ein Riesling des Jahrgangs 1893 aus der Lage Gräfenberg machte das Weingut weithin berühmt. Die Auslese aus dem Kiedricher Berg wurde damals an viele Kaiser- und Königshäuser Europas geliefert. Im Jahre 1900 erwarb das Wiener Hofwirtschaftsamt für den habsburgischen Kaiserhof 800 Flaschen dieses Weines für einen Flaschenpreis von 16 Goldmark. Im Weinarchiv des Hauses werden die Spitzenweine der großen Jahrgänge zurück bis zu jener legendären Auslese gelagert. Der Jahrgang 1920 der Kiedricher Gräfenberg Trockenbeerenauslese wird als Zeppelinwein bezeichnet, weil er bei der Weltumrundung 1929 an Bord des Luftschiffes „Graf Zeppelin LZ 127“ war.
Der japanische Getränkekonzern Suntory erwarb im Jahre 1988 eine Mehrheitsbeteiligung am Weingut. Es wurden große Summen in die Erweiterung der Rebflächen und die Modernisierung der Kelleranlagen investiert. Die Führung des Betriebes erfolgt aber weiterhin durch die Familie Weil. Für die Weinbergbewirtschaftung sind Clemens Schmitt und Philipp Bicking, für den Kellerbetrieb Christian Engel und Fabian Kretschmer verantwortlich.
Die Weinberge umfassen 90 Hektar Rebfläche in den VDP-klassifizierten Kiedricher Einzellagen Gräfenberg, Klosterberg und (im Alleinbesitz) Turmberg und anderen. Es wird zu 100% Riesling kultiviert. Die Bewirtschaftung erfolgt seit dem Jahrgang 2012 nach seit dem Jahrgang 2024 zertifizierten Regeln des Biologischen Weinbaus.
Die Weingartenpflege erfolgt mit Begrünung, ausschließlich organischer Düngung, Schädlingsbekämpfung mit umweltverträglichen, biologisch abbaubaren Mitteln, sowie Verzicht auf Herbizide. Weitere Qualitätsfaktoren sind Ertragsbeschränkung durch restriktiven Rebschnitt, zweifaches Ausdünnen, früh durchgeführte Negativauslese und extrem selektive Weinlese zumeist nicht vor Anfang November. Die aufwändige Ernte dauert oft acht bis zehn Wochen mit mehreren Lesevorgängen. Bei der Lese der edelfaulen Trauben werden diese nach drei Fäulnisgraden sortiert.

Der Glas.Cabinet-Raum ist ein moderner und eleganter Verkostungsraum, der durch seine transparente Architektur besticht. Die Wände aus Glas bieten einen beeindruckenden Blick auf den Gräfenberg und die historische Umgebung.

Im Keller wird das Lesegut nochmals Beere für Beere ausgelesen. Das Vorklären der Moste erfolgt durch natürliche Sedimentation. Die sechs- bis zwölfwöchige Gärung erfolgt temperaturkontrolliert in Edelstahltanks und im traditionellen Rheingauer Stückfass. Beim reduktiven Ausbau wird ein möglichst langer Kontakt mit der Feinhefe genutzt. Die Vermarktung erfolgt gemäß dem VDP-Klassifikationsmodell als Gutsweine (Robert Weil), Ortsweine (Kiedricher Flächen), Erste Lagen (Klosterberg und Turmberg) und aus der Grosse Lage als Grosse Gewächse (Gräfenberg). Traditionsgemäß zählen die edelsüßen Weine von Auslese bis Trockenbeerenauslese zu den Spitzenprodukten des Hauses. Sie werden mit einer Goldkapsel gekennzeichnet und auf Auktionen zu Höchstpreisen versteigert. Das Weingut ist Mitglied im VDP.
