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Regionen

Umfassende Beschreibung aller europäischen Anbaugebiete, ihrer Rebsorten, Traditionen und gesetzlichen Regeln mit Karten.

Anbaugebiete in Moldawien 4 Anbaugebiete

Moldawien - Beschreibung

Der heutige Staat ist im Jahre 1991 durch den Zerfall der UdSSR entstanden. Die geographischen Wurzeln liegen in der historischen Landschaft Bessarabien (siehe dort die Historie). Durch zahlreiche archäologische Funde wie zum Beispiel Amphoren und Traubenkerne ist belegt, dass hier bereits seit über 5.000 Jahren in der Antike Weinbau betrieben wurde. Im Norden, Osten und Süden wird der Staat von der Ukraine umschlossen. Im Westen grenzt er an Rumänien, dessen Einfluss durch die lange gemeinsame Geschichte im Weinbau zu verspüren ist. Von der uralten Weinbautradition bezeugen zahlreiche Legenden und Anekdoten. Zu den bekanntesten Geschichten zählt jene von den Störchen:

Wieder einmal gab es eine türkische Invasion; der Feind belagerte eine Festung bei Grodieshti. Den tapferen Verteidigern gingen Wasservorräte und Speisen aus, außerdem ging auch die Kraft der Kämpfer langsam zur Neige. Plötzlich erschienen hunderte von Störchen am Himmel, die mit Hilfe des Windes und ihrer starken Flügelschläge den Feind zu Boden trieben. Die Störche warfen Bündel von Reben aus ihren Schnäbeln zu den Verteidigern hinunter. Die Krieger waren damit vor Durst und Hunger gerettet. Mit neuer Kraft verteidigte man erfolgreich die heimische Festung, und der türkische Feind musste abziehen.

Seit dieser Zeit gilt der Storch als ein Symbol für Glücklichsein und Zufriedenheit. Der Storch mit Trauben symbolisiert den moldauischen Weinbau und ist im Logo des Weinbauverbandes enthalten. Durch die Fürsten von Moldau wurde im Mittelalter eine eigenständige Weinkultur begründet. Diese brach jedoch ab Anfang des 16. Jahrhunderts unter der 300-jährigen osmanischen Herrschaft und dem damit verbundenen Alkoholverbot wieder zusammen.

Moldawien - Karte mit Weinbaugebieten und Cricova

Weinbau in der Neuzeit

Nach dem russisch-türkischen Krieg wurde der Weinbau ab dem Jahre 1812 wieder reaktiviert. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden viele französische Rebsorten eingeführt. Der Weinbau erlitt aber dann gegen Ende des 20. Jahrhunderts durch die Reblauskatastrophe neuerlich schwerste Rückschläge bzw. Einbußen. Nach einer kurzen Erholung wurde durch die beiden Weltkriege ein Großteil der Weingärten und Weinkellereien zerstört. Der Wiederaufbau begann in den 1950er-Jahren. Innerhalb von zehn Jahren wurden 150.000 Hektar angepflanzt und der Rebenbestand wuchs weit über 200.000 Hektar. In der UdSSR entwickelte sich Moldawien mit rund einem Viertel der Produktion zum größten Weinproduzenten. In den 1980er-Jahren wurden aber unter Michail Gorbatschow besonders im Norden wieder viele Weingärten gerodet. Weinbau hat eine eminente wirtschaftliche Bedeutung. Weinprodukte, Obst und Gemüse sind die Hauptexportartikel.

Im Gegensatz zu den anderen ehemaligen UdSSR-Staaten ist der Anteil an trocken ausgebauten Weinen relativ hoch, jedoch gibt es auch die traditionellen süßen Dessertweine. Eine zweihundertjährige Tradition hat der portweinähnliche Kagor. Knapp zwei Drittel der Produktion stammt von genossenschaftlichen Kellereien. Bekannte Produzenten sind zum Beispiel Acorex, Aroma, Branesti, Château Vartel, Ciumai, Comrat, Cricova, Dionysos Mereni, Milestii Mici, Purcari, Romanesti, Taraclia und Trifesti. Rund 90% geht in den Export; mit über 80% zum weitaus größten Teil nach Russland. Im März 2006 setzte die russische Regierung ein Importverbot für moldawische und georgische Weinprodukte in Kraft. Das Verbot erfolgte nach offizieller Lesart wegen angeblichen Verstößen gegen die Gesundheitsvorschriften (zu hohe Schadstoffbelastungen). Das Embargo wurde im November 2007 aufgehoben. Der hohe Exportanteil wurde aber nachhaltig stark reduziert.

Weinbaugebiete

Die geographischen und klimatischen Gegebenheiten sind für Weinbau sehr günstig. Moldawien liegt auf demselben Breitengrad wie Burgund. Es herrscht kontinentales Klima mit hoher Sonneneinstrahlung vor. Im Jahre 1954 hat Professor P. I. Ivanov nach Studien Moldawien in vier agrarkulturelle Zonen mit unterschiedlichem Klima eingeteilt. In der nördlichen Region Balti werden vor allem Weißweintrauben für die Produktion von Weinbrand, gespriteten Weinen und einfachen Weinen produziert. Die im Zentrum liegende Region Codru mit der Hauptstadt Chisinau ist von bewaldeten Bergen umgeben. Hier befinden sich mehr als die Hälfte der Rebflächen und die bekanntesten Kellereien wie das ehemalige Zarengut Romanesti.

In den 65 Kilometer langen unterirdischen Kellergewölben der Stadt Cricova lagern die in der Kellerei produzierten Schaumweine sowie eine umfangreiche historische Weinsammlung. In dieser Region werden unter anderem ausgezeichnete Rotweine gekeltert. Die im Süden liegende Region Cahul ist klimatisch besonders für Rotweine und Süßweine geeignet. Im Südosten des Landes liegt entlang des westlichen Nister-Ufers die vierte Region Purcari (auch Nistreana). Sie ist bekannt für ihre alterungsfähigen Rotweine im Bordeauxstil wie zum Beispiel der von der gleichnamigen Kellerei produzierte „Negru de Purcari“. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden Purcari-Weine unter anderem an den englischen Königshof geliefert.

Rebsortenspiegel

Die Rebflächen umfassen rund 140.000 Hektar. Die Keltersorten umfassen aber nur nur 82.600 Hektar mit einer jährlichen Wein-Produktionsmenge von rund 1,600.000 Hektoliter. Der Rest wird für den Anbau von Tafeltrauben genutzt. Zu rund 70% werden europäische Standardsorten kultiviert. Zu zwei Dritteln werden Weißwein- und zu einem Drittel Rotweinsorten angebaut. Der Rebsortenspiegel des Jahres 2016 mit den Top-50 (Statistik Kym Anderson):

Rebsorte

Farbe

Synonyme bzw. moldawischer Name

Hektar

Moldova rot Moldowa, Reka 12.375
Cabernet Sauvignon rot - 8.169
Aligoté weiß Mahranauli 7.765
Merlot rot - 7.689
Sauvignon Blanc weiß Sotern Marunt, Verdo Belîi 6.909
Chardonnay weiß Wais Edler, Waiser Clevner 4.133
Rkatsiteli weiß - 3.898
Isabella rot - 3.468
Pinot Noir rot Cerna, Pino Fran, Pino Ceren 2.366
Muskat-Ottonel weiß - 1.859
Riesling weiß Rislinoc 1.701
Bianca weiß - 1.340
Pinot Gris weiß Râjik 1.208
Kodryanka rot Codreanca, Kodrianka 1.143
Gewürztraminer / Traminer weiß Traminer Musqué, Traminer Rose 1.099
Fetească Albă weiß Fetișoară, Păsărească Albă, Poamă Fetei Albă 954
Magaracha Rannii rot Korai Magaracs 884
Alb de Suruceni weiß - 780
Cabernet Franc rot - 756
Muscat Yantarnyi weiß - 683
Saperavi rot - 573
Victoria weiß - 565
Pervenets Magaracha weiß - 517
Cardinal rot - 473
Alb de Onițcani weiß - 424
Fetească Neagră rot Coada Răndunicii, Păsărească Neagră 402
Fetească Regală weiß - 372
Chasselas weiß - 329
Sukholimansky Bely weiß - 325
Riton weiß - 313
Arkadia weiß Nastea, Nastya 303
Trebbiano Toscano weiß - 277
Muscat d’Hamburg rot - 254
Viorika weiß Viorica 251
Kodrinskii rot Codrinski 229
Prezentabil weiß - 215
Pinot Blanc weiß Burgunder Veisser, Pino Belîi 210
Noah weiß - 200
Irsai Olivér weiß - 180
Bastardo Magarachsky rot - 180
Cot rot Cagors, Nuar de Presac 162
Negru de Yaloven rot Negru de Ialoveni 141
Pinot Meunier rot - 138
Yalovenskii Ustoichivyi weiß - 129
Pamyati Negrulya rot - 123
Italia weiß - 118
Csaba Gyöngye weiß - 110
Syrah rot - 87
Pölöskei Muskotály weiß - 83
Königin der Weingärten weiß Queen of the Vineyard, Rasaki Oungarias 61

 

Karte: Von Perconte - übertragen nach Commons durch Ireas mithilfe CommonsHelper, CC BY-SA 2.5, Link 
Cricova: By Cepaev - Own work, CC BY-SA 3.0, Link

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