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Regionen

Umfassende Beschreibung aller europäischen Anbaugebiete, ihrer Rebsorten, Traditionen und gesetzlichen Regeln mit Karten.

Tokaj-Hegyalja

Tokaj-Hegyalja - Beschreibung

Der wohl bekannteste Wein Ungarns ist nach der Stadt Tokaj im Nordosten nahe den Grenzen zur Slowakei und der Ukraine benannt. Das Wort „Tokaj“ ist vermutlich hunnisch-türkischen Ursprungs und bedeutet so viel wie „Wald am Fluss“. Es wurde erstmals Ende des 11. Jahrhundert in einer Chronik erwähnt, wo der Übergang eines kumanischen Heeres über den Fluss Theiß bei „Thocoyd“ beschrieben wird. Ungarischen Weinbau größeren Umfangs begründete König Béla IV. (1235-1270), den ersten Aufschwung im Tokajer-Gebiet gab es im 13. und 14. Jahrhundert. Wann der allererste Tokajer Aszú produziert wurde, ist nicht mehr festzustellen, aber er zählt sicher zu den ersten Weinen, die aus botrytisierten edelsüßen Beeren gewonnen wurden.

Weinberge von Tokaj in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts und Fässer

Die Geschichte des Tokajers

Zur „Erfindung“ des Tokajers ranken sich zahlreiche Legenden. Angeblich wurde schon im Jahre 1562 beim Konzil von Trient Papst Pius IV. (1499-1565) ein Tokaji Aszú überreicht, worauf er bemerkte: „Summum pontificem talia vina decent!“ („Solcher Wein gehört auf den päpstlichen Tisch“). Als erste schriftliche Erwähnung des Aszúweines wird oft das Jahr 1571 zitiert, genauer in einer Schrift aus dem Inventar der Garay Familie mit dem Datum 15. Mai 1571. Bereits im Jahre 1590 taucht der Begriff „Vinum passum-aszu szeőleő bor” (Wein aus Aszúbeeren) im posthum erschienenen Werk „Nomenclatura“ von Balázs Szikszay Babricius (+1576) auf. Und im Jahre 1635 werden auf einer Liste des Rákóczi-Kellers „7 Fass (das Göncer Fass war die Standardgröße) und 2 Àntalag (= kleines Fass) Aszúszőlő-Bor“ (= Aszútrauben-Wein) erwähnt. Zu den Gütern des Fürsten György Rákóczi I. (1600-1660) gehörte unter anderem auch das Tokajergebiet Tokaj-Hegyalja.

Als um das Jahr 1631 wieder einmal einer der zahlreichen türkischen Überfälle drohte, beschloss der zuständige Hofprediger Máté Szepsi-Laczkó (1576-1633) mit der Weinlese zu warten, bis die Gefahr gebannt sei. Während des langen und sonnigen Herbstes begannen die Beeren zu schrumpfen und die Edelfäule setzte ein. Die Winzer wurden angewiesen, bei der Lese die Trauben des Weinberges Oremus gesondert abzupressen. Zu Ostern des Jahres 1651 wurde dann der erste „Tokajer Ausbruch“ (Trockenbeerenauslese) der Fürstin Zsuzsanna Lorántffy kredenzt. Die Ungarn ehren deshalb Szepsi-Laczkó heute noch als „Aszú-Erfinder“. Aus dem Jahre 1707 stammt eine nationale Bewertung für die ungarischen Weinregionen. Die Gebiete wurden darin in fünf Kategorien bzw. Qualitätsklassen unterteilt. Nur das Gebiet Tokaj-Hegyalja wurde als erstklassig klassifiziert. Zu diesem Zeitpunkt begann die große Bedeutung des Bereiches als wertvolles Handelsprodukt bewusst zu werden.

Ab dem 17. Jahrhundert spielte der Tokajer eine wichtige Rolle an vielen europäischen Höfen. Königliche Liebhaber waren Franz-Joseph I., Maria Theresia, Friedrich der Große, Victoria I. und Wilhelm II. Viele berühmte Schriftsteller, Dichter und Komponisten erwähnten den Tokajer in ihren Werken. Das waren Ludwig van Beethoven, Johann Wolfgang von Goethe (Faust), Heinrich Heine (Buch der Lieder), Friedrich von Schiller (Wallenstein), Franz Schubert, Bram Stoker (Dracula), Johann Strauß Sohn (Fledermaus), Theodor Körner (in einem Weinlied), Nikolaus Lenau (Mischka an der Theiß) und Voltaire (Gottesbeweis). Im Jahre 1733 wurde vom russischen Zarenhof in der Stadt Tokaj eine eigene Weinkaufs-Kommission eingerichtet. Die Zarin Elisabeth Petrowna Romanowa (1709-1762) orderte am 8. November 1745 per Schreiben eine Lieferung von 375 Fässern und bemerkte als Postskriptum:„Und wenn auch nur eine Möglichkeit besteht, schicken Sie mit Boten wenigstens drei Antal (Fässer von ca. 75 Liter), die ich hier nirgends besorgen kann, wo ich doch ohne den Wein nicht sein kann, wie auch Sie wissen“.

Unter ihrer Nachfolgerin Katharina der Großen (1729-1796) wurden durch eine spezielle Kosakenabteilung die Lieferungen zu ihrem Wohnsitz in St. Petersburg eskortiert. Der französische Sonnenkönig Ludwig XIV. (1638-1715) verlieh ihm den Titel „Vinum Regnum - Rex Vinorum“, auf deutsch „Wein der Könige - König der Weine“. Der Tokajer wurde auch des Öfteren als diplomatische Waffe eingesetzt. Als die Türken 1686 aus Budapest vertrieben wurden, wollte Fürst Ferenc Rákóczi II. (1676-1735) das nun befreite Ungarn als eigenständiges Königreich etablieren. Um sich mit Ludwig XIV. zu verbünden, sendete er diesem einen edlen Tokajer. Auch Kaiser Franz-Joseph I. (1830-1916) benutzte den Wein zu diplomatischen Zwecken, er begrüßte die englische Königin Victoria (1819-1901) jedes Jahr zu deren Geburtstag mit einer Sendung Aszú.

Die Blütezeit des Tokajer Weinhandels war in der Glanzzeit der Herrscher-Familien Rákóczi und Bercsényi im 17. und 18. Jahrhundert. In diesem Zeitraum wurden die meisten der unzähligen Weinkeller (allein in Tokaj wurden 185 gezählt) in die dafür hervorragend geeigneten Lößböden gegraben, wofür es den eigenen Berufsstand des Kellergräbers gab. Ab dem letzten Drittel des 18. Jahrhunderts erfolgte ein Rückgang, einerseits durch kriegerische Ereignisse, wodurch die Weinberge unbearbeitet blieben oder vernichtet wurden, andererseits durch wirtschaftlich verordnete Maßnahmen, besonders in der Regierungszeit von Maria Theresia (1717-1780). Es wurde nur soviel Ausfuhr an Tokajer Weinen gestattete, als an österreichischen Weinen eingeführt wurde. Im Jahre 1745 sendete die Herrscherin der russischen Zarin Elisabeth (1709-1762) 600 Flaschen davon. Auch Papst Benedikt XIV. (1675-1758) erhielt eine Sendung und dieser bedankte sich mit einem außergewöhnlichen Zitat.

Auch die Weinverfälschungen, die im 19. Jahrhundert in vielen Ländern in großem Umfang erfolgten, trugen zu einem schlechten Ruf des Tokajers bei. Es gab dazu sogar detaillierte Rezepte, zum Beispiel stand in einem Werk aus dem Jahre 1875: Man nehme 100 l Normalwein; 15 l Rosinen-Essenz; 0,5 l Bittermandel-Essenz; 0,1 l Holunderblüten-Essenz; 4 kg Zucker; 0,5 kg Karamel; 4 kg Glitzerin und 6 l 80-prozentigen Weingeist. Bei einem Weinhändler in Wien-Döbling konnte solcher Wein zum Spottpreis waggonweise bestellt werden. Während der kommunistischen Regierungsperiode nach dem Zweiten Weltkrieg gab es einen totalen Niedergang der Tokajer-Kultur. Fast alle größeren Weingüter wurden verstaatlicht. Der Tokajer wurde billig und als Massenwein erzeugt. Ab Anfang der 1990er-Jahre gab es einen Neubeginn und der Tokajer erlebte eine Wiedergeburt.

Das Tokajer-Gebiet (Ungarn und Slowakei)

Die definierten Grenzen für das Recht der Herkunftsbezeichnung in Ungarn haben sich im Verlaufe der Jahrhunderte einige Male geändert. Die älteste dokumentarisch belegte Abgrenzung stammt aus dem Jahre 1641, damals zählten 12 Gemeinden zum engeren Tokajer-Gebiet. Die heutige Weinbauregion Tokaj wurde durch das ungarische Weingesetz im Jahre 1997 bestimmt und auch im Vertrag von Lissabon eingetragen. Das einem Dreieck ähnliche Gebiet mit etwa 60 Kilometer Länge und etwa 30 Kilometer Breite liegt im Nordosten Ungarns an der Grenze zur Slowakei und zur Ukraine und umfasst die vier Städte Sárospatak, Sátoraljaújhely, Szerencs und Tokaj, sowie 23 kleinere Gemeinden.

Aber es gibt erstaunlicherweise auch einen tokajerähnlichen Wein außerhalb von Ungarn. Diesen Sonderstatus besitzt ein Gebiet in der Slowakei, das direkt an den ungarischen Bereich Tokaj-Hegyalja angrenzt. Hier wird in den drei Gemeinden Kistoronya, Szõlõske und dem slowakischen Teil der Gemeinde Sátoraljaújhely ein Wein nach Tokajer-Art erzeugt. Die Slowakei berief sich dabei auf das Weingesetz aus dem Jahre 1908, als dieser Bereich noch zu Ungarn gehörte. Nach jahrelangen Streitigkeiten einigten sich im Jahre 2003 die beiden Länder, dass die innerhalb des 565 Hektar großen Gebietes erzeugten Weine die slowakische Herkunfts-Bezeichnung „Tokajský“ tragen dürfen. Eine Ausweitung auf knapp 1.000 Hektar ist geplant.

Tokajer - Weinberge Tokaji-Hegyalja und Weinkeller bei Abaújszántó

Die namensgebende Stadt Tokaj liegt am Zusammenfluss von Tisza und Bodrog nahe des Kopaszhegy (Kahlberg mit 512 m). Das Gebiet wird von den drei Flüssen Hernád, Bodrog und Tisza (Theiß) begrenzt. Diese beeinflussen das spezifisch feuchte Klima, das die Botrytis (ung. nemespenész) fördert. Das Klima ist extrem, auf einen kühlen und trockenen Frühling folgt ein heißer Sommer und dann ein anfangs nasser, später trockener und lange sonniger Herbst. Die Weinberge umfassen rund 5.700 Hektar Rebfläche. Nur die Weine aus den Sorten Furmint (60%), Hárslevelű (25%), Muscat Lunel/Sárga Muskotály (Muscat Blanc), Kabar, Kövérszőlő (Grasă de Cotnari) und Zéta dürfen „Tokaji“ im Etikett führen. Weine aus anderen Sorten wie etwa Chardonnay dürfen lediglich die geografische Angabe, „Zempléni g.g.A“ (Landwein) tragen. Die besten und bekanntesten Einzellagen findet man vor allem in den Gemeinden Bodrogkeresztúr, Mád, Rátka, Tarcal, Tállya, Tokaj und Tolcsva.

Die erste, überlieferte Weinbauordnung stammt aus dem Jahre 1641, wo in der Gemeinde Mád eine aus 48 Punkten bestehende Verordnung existierte. Unter Fürst Ferenc Rákóczi II. (1676-1735) wurde im Jahre 1700 eine ausführliche Weinbauordnung herausgegeben. Damals war die Aszú-Herstellung wahrscheinlich einfacher als heute. In einer Schrift aus dem Jahre 1758 heisst es: „Nachdem die ausgetretenen Aszú-Beeren mit Most aufgegossen wurden, rührt man sie gut zusammen und deckt den Bottich nicht zu fest zu. Nach drei bis vier Tagen Gärung, wenn sich der süße Saft der Beeren in dem Most aufgelöst hat, wird die Masse von Hand ausgepresst und der Wein gären gelassen.“

1904 wurden die „außergewöhnlichen Maßregeln für das Tokajer Weingebiet“ publiziert, in der eine geographische Abgrenzung mit insgesamt 33 Ortschaften, die zwingende Vorgabe für die Verwendung von Eichenfässern sowie das absolute Verbot der Vermischung von Tokajer Weinen mit Weinen aus anderen Gebieten enthalten war. Weiters durften nur solche Weine als Tokajer bezeichnet werden, deren Reben aus „bergigen Rebflächen“ (also aus Hanglage) stammten. Das Weingesetz aus dem Jahre 1997 deklariert Tokaj-Hegyalja als einziges „geschlossenes“ Weinbaugebiet Ungarns. Dies bedeutet innerhalb dieses Gebietes einen besonderen Schutz und spezielle Vorgaben bezüglich Weinbereitung, Behandlung und Vertrieb des Tokajers.

Unter der irreführenden Bezeichnung Tokajer, Tokayer oder ähnlich wurden auf der ganzen Welt Rebsorten angebaut und Weine produziert. Im italienischen Friaul-Julisch-Venetien gab es die Rebsorte Tocai Friulano (Sauvignonasse) und im französischen Elsass einen Tokay d’Alsace als Synonym für Pinot Gris. In Übersee wurden schon immer nicht nur Tokajer, sondern auch andere bekannte Weinbaugebiete wie Bordeaux missbräuchlich verwendet. All diese Bezeichnungen mussten nach Entscheidung der Europäischen Union bzw. auch auf Grund internationaler Abkommen ab dem Jahre 2007 geändert. Der herkunftsgeschützte Name Tokajer darf ausschließlich für das ungarische und das slowakische Original verwendet werden.

Die Tokajer-Weintypen & Herstellung

Im Jahre 2017 wurde eine überarbeitete Produktspezifikation gültig (wobei weitere Änderungen zu erwarten sind). Keiner der Weine darf außerhalb des Weinbaugebietes abgefüllt werden. Der Zusatz von Traubenmost zwecks Süßung ist verboten. Für die Tokajer Spezialitäten Aszú, Eszencia, Szamorodni, Fordítás und Máslás sind Alkoholerhöhung und Säureveränderungen (Entsäuerung oder Säuerung) verboten. Neben Sekt dürfen folgende Weintypen erzeugt werden:

  • Aszú
  • Aszú-Eszencia (wurde 2013 eliminiert)
  • Eszencia
  • Szamorodni (trocken und süß)
  • Fordítás
  • Máslás
  • Késői Szűret (Spätlese)
  • Weißwein

Aszú (ung. Tokaji Aszú, slow. Tokajský Výber)
Der Aszú oder Tokaji Aszú ist der berühmte, klassische Tokajerwein. Dafür werden überreife, von Botrytis befallenen Beeren verwendet, die händisch einzeln ausgelesen werden. Der Begriff leitet sich von aszalt (gedörrt oder getrocknet) ab. Im Prinzip entspricht Aszú einer Trockenbeerenauslese. Nach traditioneller Methode werden die Beeren in Puttonyos (Butten) zu 25 kg gesammelt. Die Trauben werden dann mittels Korbpresse zu einem teigartigen Brei gepresst (selten auch heute noch mit den Füßen), wobei die Traubenkerne (die viel Gerbstoffe enthalten) nicht zerquetscht werden dürfen. Parallel dazu wird aus nicht botrytisierten Trauben desselben Jahrgangs ein Traubenmost gewonnen, der unvergoren, bereits in Gärung befindlich oder als vergorener Grundwein dem Teig hinzugefügt wird. Die oben schwimmenden Traubenkerne werden entfernt. Das Gemisch wird 18 bis 48 Stunden unter Umrühren einer Mazeration ausgesetzt. Dadurch wird der Zucker aus den Trauben ausgelöst. Nach dem Pressen beginnt die Gärung. Der ausgepresste Teig wird für Fordítás (Tresterwein) verwendet.

Früher war das übliche Maß für den Grundwein bzw. Traubenmost ein Göncer Fass (136 bis 145 l), oder auch Szerednyeer Fass (200 bis 220 l). Je höher die dabei verwendete Puttonyos/Buttenanzahl war, desto süßer und konzentrierter wurde der Wein. Die vorgeschriebene Reifezeit war „Puttonyos-Anzahl plus 2“, für einen 6er-Puttonyos war dies also 8 Jahre Reifezeit. In alten Zeiten wurden ein- bis fünf-buttige Tokajer Aszú produziert, später reduzierte man auf zwei- bis fünf-buttige. Um 1790 wurde dann der sechs-buttige Aszú kreiert und dafür der zwei-buttige weggelassen, weil gute Szamorodnis von der Qualität her diesem sehr nahekamen. Die zwei-buttigen wurden noch bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts produziert. Ab 1997 gab es nur mehr drei- bis sechs-buttige mit einem Restzucker von zumindest 60, 90, 120 und 150 g/l. 

Ab Jahrgang 2013 gab es grundlegende Änderungen. Die Bezeichnung „Tokaji Aszú“ ist nur mehr für 5 oder 6 Puttonyos zulässig. Der Grundwein muss aus demselben Jahrgang stammen wie die Aszúbeeren, die Weine sind damit zu 100% jahrgangsecht. Es sind keine Wein- bzw. Mostmengen mehr vorgeschrieben (wie eben früher das Göncer Fass). Statt Wein (ergibt mehr Körper und Alkohol) darf aber auch Traubenmost oder bereits in Gärung befindlicher Traubenmost (ergibt mehr Fruchtigkeit und Aromatik) verwendet werden, das ist per Winzer recht unterschiedlich. Der Wein muss mindestens 18 Monate im traditionellen großen Holzfass  oder auch Barriques reifen und darf nicht vor dem zweiten Jahr nach der Lese vermarktet werden. Durch diese lange Lagerzeit in den luftdurchlässigen Holzfässern sind die meisten Weine als zumindest leicht oxidativ ausgebaut zu bezeichnen. Die vorgegebenen analytischen Werte für einen Tokajer Aszú sind:

  • zumindest 19% potentieller Alkoholgehalt
  • zumindest 120 g/l für 5 Puttonyos bzw. 150 g/l für 6 Puttonyos Restzucker
  • zumindest 9% tatsächlicher Alkoholgehalt (am Etikett angeführt)
  • zumindest 6 g/l Gesamt-Säuren
  • maximal 2,1 g/l flüchtige Säure

Die früheren Varianten „Tokaji Aszú 3 Puttonyos“ und „Tokaji Aszú 4 Puttonyos“ dürfen nicht mehr als „Aszú“ oder „Tokaji Aszú“ bezeichnet werden. Ein Wein mit zumindest 45 g/l Restzucker kann als Késői Szüret (Spätlese) oder als Szamordni édes (süß) bezeichnet werden. Am Flaschenetikett kann für alle die Puttonyos-Anzahl angeführt werden.

botrytisierte Weintraube und Eszencia-Flasche

Eszencia
Diese auch als Nektar bezeichnete Spezialität wurde erstmals im Jahre 1707 erwähnt. Im 19. Jahrhundert wurde er in der deutschsprachigen Literatur als „Tokayer Ausbruch Essenz“ bezeichnet. Früher wurde die Eszencia gar nicht als Wein betrachtet, sondern eher als Arznei. Zumeist gab man die Eszencia dem Aszú auch „wieder zurück“ (machte man dies nicht, sprach man von einem „kastrierten Aszú“). Dies wird auch heute von den meisten Weingütern so praktiziert. Bei den für den Tokaji Aszú bestimmten Beeren läuft ohne vorheriges Pressung der nur durch das Eigengewicht gewonnene Vorlaufmost ab und wird langsam vergoren. Obwohl die Gärung für den Eszencia oft mehrere Jahre andauert, wird kaum der von der EU verlangte Mindestalkoholgehalt von 5% erreicht. Ungarn hat für diese Spezialität allerdings eine Ausnahmeregelung erwirkt. Der tatsächliche Alkoholgehalt ist zumeist sehr niedrig und liegt zwischen 1% bis 8% vol. Die Weine müssen zumindest 27,75% potentiellen Alkoholgehalt und zumindest 450 g/l Restzucker aufweisen. Der dunkelfarbige Wein besitzt eine honigartige Konsistenz. Diese kostbare Rarität wird oft nur glasweise in den Weingütern ausgeschenkt.

Aszú-Eszencia
Diese Qualitätsstufe wurde erst im 20. Jahrhundert geschaffen. Man wollte damit zwischen dem 6-buttigen Aszú und Eszencia eine zusätzliche Stufe einbauen. Im ungarischen Weingesetz von 1977 wird er als „herausragender Aszúwein aus erstklassiger Lage und ausgezeichnetem Jahrgang“ definiert. Es galten zumindest die gleichen Bedingungen wie bei Aszú. Die botrytisierten Beeren mussten einen Zuckergehalt von zumindest 180 g/l aufweisen. Die Sinnhaftigkeit wurde schon immer bestritten, denn der Name führte oft zur Verwechslung mit Escenzia. Die Variante wurde deshalb ab Jahrgang 2013 eliminiert.

Szamorodni
Der erstmals 1828 erwähnte Name „Szamorodni“ bedeutet auf Polnisch „wie gewachsen“. Das heißt, dass keine wie beim Aszú übliche Selektion der bestgeeigneten Beeren erfolgt, sondern dass die Trauben, so wie sie gewachsen sind, auch gelesen und verarbeitet werden. Polnische Händler hatten den damals als „Főbor“ (dt. Hauptwein) bezeichneten Wein schätzten gelernt und verbreiteten bei der Vermarktung die neue Bezeichnung. Es sollte allerdings ein Teil von edelfaulen Beeren dabei sein, wovon die Qualität und Süße abhängig ist. Die Weine können deshalb trocken (száraz) oder süß (édes) ausgebaut werden. Sie müssen zumindest 6 Monate im Holzfass reifen. Von einzelnen Produzenten werden sie oxidativ ausgebaut.

Fordítás
Das bedeutet auf deutsch „Wendung“. Der ausgepresste Aszúteig wird nämlich „gewendet“ (umgerührt) und dann mit Traubenmost, gärendem Traubenmost oder noch in Gärung befindlichen Wein aus demselben Jahrgang aufgegossen und fertig vergoren. Es handelt sich um einen Tresterwein. Der Wein muss für 6 Monate im Holzfass reifen.  

Máslás
Dieser Wein ist schon seit Mitte des 16. Jahrhunderts bekannt. Der Name leitet sich vom polnischen Wort „Mászló“ (Butter) ab, weil der Wein einen buttrigen Geschmack besitzt (polnischer Einfluss bez. Namensursprung siehe Szamorodni). Es handelt sich um einen Hefepresswein. Das Geläger (Vollhefe, Trub) vom Aszúwein oder Szamorodni wird mit Most, gärendem Most oder gärendem Wein aus demselben Jahrgang aufgegossen. Der Wein muss 6 Monate im Holzfass reifen.   

Die Tokajer-Produzenten

Bekannte Produzenten des Tokajer sind unter anderem Árvay, Balassa, Barta, Béres, Bodrog-Várhegy, Carpinus, Demeter Zoltán, Dereszla, Disznókő, Dobogó, Erzsébet, Füleky, Gizella, Grand Tokaj, Gróf Degenfeld, Hétszőlő, Höldvölgy, Juliet Victor, Kikelet, Kardos, Lenkey, Mád Wine, Megyer, Pajzos, Pelle, Pendits, Samuel Tinon, Kikelet, Tokaj Nobilis und Zsirai. Die im Jahre 1995 gegründete Vereinigung „Tokaj Renaissance“ widmet sich der Pflege und Kultur des Weines.

Auf einem Etikett ist folgender Spruch zu finden: Aki e üvegböliszik annak kivantatik, hogy a Borok Kiralyanak aranyfenye emlekeztesse a hegyaljai tajra, ahol immar ezredik eve ragyog a szölöt ökere a Nap! Kivantatik, hogy a Kiralyok Boranak, legendas gyogyhatasa kedves egeszsegere valjek). Auf deutsch bedeutet das: „Wer aus dieser Flasche trinkt, dem sei gewünscht, dass ihn der goldene Glanz des Königs der Weine an die Landschaft Hegyalja erinnern möge, wo seit nunmehr tausend Jahren die Sonne auf die Reben strahlt. Möge sich die legendäre Heilwirkung des Weines der Könige auf seine Gesundheit übertragen“.  Das Tokajer-Gebiet wurde schließlich im Jahre 2002 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. 

Quelle: Kristian Kielmayer 
Tokay-Gebiet: Von Georg Hoefnagel - Eigener Scan, Gemeinfrei, Link
Fässer: Von Zoltan Szarvas auf Pixabay
Weinberge Tokaji-Hegyalja: Von Unbekannt, CC BY-SA 2.5, Link
Weinkeller: Von Verita - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link
Trauben: Von CrazyD - Selbst fotografiert, CC BY-SA 3.0, Link 

Eszencia: Von Eszencia.jpg, CC BY-SA 3.0, Link

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